Mittwoch, 10. Oktober 2012

Mr. Marcus: "Ich kam nie in die Nähe eines Burnouts"

Interview mit Mr. Marcus bei Spiegel Online


Mit dem Einrad hoch über den Köpfen der Menschen: Jongleur und Entertainer Mr. Marcus liebt das Leben als Straßenkünstler

Seinen Traum zu leben, ist gesund, sagt Mr. Marcus. Der Straßenkünstler erklärt im Interview mit achim-achilles.de, warum Jonglieren vor Burnout schützt, wie er Freiheit suchte und Sicherheit fand - und was er mit einem Pornostar gemeinsam hat.

SPIEGEL ONLINE: Mr. Marcus, wie lernt man das Jonglieren mit einer Kettensäge?  

Mr. Marcus: (lacht) Das verrate ich nicht! Man fängt klein an. Früher habe ich mit Ballons Figuren gedreht. Jetzt jongliere ich mit einer Kettensäge und fahre auf einem 3,50 Meter hohen Einrad. Ich gebe zu, die Kettensäge hat mir viel Angst bereitet, denn es ist eine tatsächlich laufende Kettensäge. Jetzt habe ich aber Routine und alles ist sehr sicher. Aber damals? Mama Mia.

SPIEGEL ONLINE: Sie tingeln seit zwanzig Jahren durch die Welt. Wie wird man Straßenkünstler?

Mr. Marcus: Irgendwann habe ich einen Ballondreher gesehen, der mich so fasziniert hat mit seinen Geschichten und seinem Lebensstil. Er war Maurer und ist Clown geworden, hat im Wohnwagen gewohnt und ist von Stadt zu Stadt gereist. Der Mann konnte wunderbar davon leben. Das hat mich sehr animiert. Ich habe dann an einem Wochenende mit einem Buch und ungefähr 500 Ballons geübt. Am nächsten Wochenende bin ich raus auf den Münchener Marienplatz und habe 102 Mark verdient.

SPIEGEL ONLINE: Spenden die Leute denn genug, dass es zum Leben und Reisen reicht?

Mr. Marcus: Es ist ganz einfach: Je mehr Shows du machst, desto mehr kommt zusammen. Und wenn du nichts mehr hast, machst du einfach noch eine Show, und dann hast du wieder was. Mein Schlüsselerlebnis hatte ich in Schottland. Ich kam an, Tank leer, kein Geld. Ich bin aufgetreten und schwuppdiwupp war wieder Geld im Hut. Da habe ich gemerkt, das geht - und zwar überall. So bin ich durch Australien gereist, durch Südamerika und Südafrika. Ich habe drei Viertel der Welt gesehen auf diese Weise.

SPIEGEL ONLINE: Aber ist so ein Leben auf der Straße nicht verdammt anstrengend?

Mr. Marcus: Natürlich hatte ich am Anfang viele Ängste und schlaflose Nächte. Aber das ist Teil der Entwicklung. Ich war immer bestrebt, meine Freiheit zu finden. Ich habe Schreiner gelernt, aber nach einem Jahr gekündigt. Danach bin ich sofort im Wohnwagen losgetigert. Ich habe nie Arbeitslosengeld beziehen müssen, weil ich immer was tun konnte. Solange die Sonne schien, habe ich Shows gemacht. Die Ängste waren sehr schnell verschwunden.

SPIEGEL ONLINE: Viele Berufstätige klagen über Stress, Burnout - plagen Sie keine Existenzängste?

Mr. Marcus: Als Jugendlicher habe ich immer gedacht: Was ist, wenn ich arbeitslos werde? Der Beruf als Straßenkünstler aber hat mir Sicherheit gegeben, die kaum einer kennt. Ich kann immer und überall arbeiten. Im Winter war ich im warmen Indien oder Südafrika. Dadurch kam ich nie in die Nähe eines Burnouts. Wenn man genügsam ist, ist alles gar nicht so stressig.

SPIEGEL ONLINE: Warum ist es gesund, seinen Traum zu leben?

Mr. Marcus: Wenn man das macht, was man will, kriegt man nicht so schnell Krankheiten. Wenn man zufrieden und glücklich ist, geht's dem Körper gut.

SPIEGEL ONLINE: Wie häufig waren Sie so krank, dass Sie keine Show machen konnten?

Mr. Marcus: (überlegt lange) Ich glaube, noch gar nicht. In zwanzig Jahren konnte ich vielleicht zwei oder drei Mal nicht auftreten, weil es geregnet hat.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Show ist sehr energiegeladen und anstrengend. Trainieren Sie für Ihre Auftritte?

Mr. Marcus: Natürlich. Ich jongliere regelmäßig. Meine schweren Bälle wiegen rund 600 Gramm. Klingt wenig, aber wenn du das fünf Minuten machst, werden deine Arme schwer. Ich jogge viel, spiele Tennis, gehe zwei mal die Woche Schwimmen. Bei meinem Job muss ich mich fit halten.

SPIEGEL ONLINE: Sollten auch Büromenschen mal jonglieren?

Mr. Marcus: Klar. Es gibt drei gute Gründe: Es hält fit, ist gut für Geist und Seele, baut Stress ab und macht Spaß. Ich gebe zurzeit viele Jonglierseminare in Firmen. Das Schöne ist: Nach dem 45 Minuten Workshop sind alle locker, lachen, und der Chef holt den Sekt aus der Küche. Ein Chef sagte mir, er wolle statt der Raucherpause eine Jonglierpause einführen. Jonglieren hat nur Vorteile.

SPIEGEL ONLINE: Ist das Ihre Message: ein bisschen mehr Kinderzirkus im Arbeitsalltag?

Mr. Marcus: Unbedingt. In den USA, wo ich lange gelebt habe, ist alles lockerer. Dieser Trend schwappt jetzt auch nach Deutschland. Ich bekomme immer mehr Workshop-Anfragen von Firmen. Denn alle haben Angst vor dem Burnout. Lehrer haben mir erzählt, dass es sogar schon in Schulen losgeht. Kinder leiden unter Stress und Erfolgsdruck. So ein Jonglierkurs am Freitagnachmittag bewirkt Wunder.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es eigentlich häufig Verwechslungen mit dem anderen Mr. Marcus?

Mr. Marcus: Sie meinen, den amerikanischen Porno-Darsteller? Mittlerweile kenne ich den. Der ist auch im Entertainment-Business, aber anders (lacht). Ab und zu bekomme ich eine Mail, in der gefragt wird: Spielst du jetzt auch auf Deutsch? Da muss ich antworten: Sorry, ich bin der andere Mr. Marcus. Lustigerweise habe ich vor kurzem die Internetseite www.mr-marcus.com angeboten bekommen. Die gehörte vorher, glaube ich, ihm. Jetzt habe ich sie (lacht).

 

SPIEGEL ONLINE: Wie wird man so glücklich wie Sie?

Mr. Marcus: Es gibt drei wesentliche Zutaten des Glücks: Jeder Mensch braucht etwas zu tun, etwas zu lieben und etwas zu wünschen. Dann wird man zufrieden und glücklich und spürt Sinn im Leben. Da kriege ich selbst Gänsehaut, wenn ich das sage. Ich hatte immer Glück. Ich habe eine wunderschöne Frau, zwei wunderbare Kinder, ein wunderschönes Leben. Dafür bin ich dankbar.

Das Interview führte Frank Joung


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