Montag, 14. Mai 2012

Sag mir, welchen Sport du treibst, und ich sage dir, wer du bist

Treiben Sie auch gern Sport? Und wenn ja: Welchen? Ist es möglich, dass Ihre Lieblingssportart mehr über Ihre individuellen Stärken, Ihren Charakter und Ihre ganz persönlichen Chancen aussagt, als Sie bislang angenommen haben? Mit seinem Buch »Warum Läufer beharrlich sind und Surfer das Leben genießen« eröffnet uns Thomas Frankenbach neue Sichtweisen auf unsere Lieblingssportarten. "Mir geht’s gut!" unterhielt sich mit dem Gesundheitswissenschaftler, Bewegungstrainer und Autor


Thomas Frankenbach

Warum Läufer beharrlich sind und Surfer das Leben genießen

Herr Frankenbach, warum treiben viele Menschen Sport, anstatt gemütlich auf dem Sofa zu relaxen?

Thomas Frankenbach: Sie merken, dass Sport ihnen hilft, gesund zu bleiben und je nach Gefallen die eigenen Proportionen zu optimieren. Sport wirkt aber auch auf die Seele, ist Stresslöser nach einem harten Arbeitstag, baut Aggressionen ab und bringt uns inneren Ausgleich.

Im fordernden beruflichen Alltag wird Ausgleich immer wichtiger. Welche Sportarten empfehlen Sie als besonders stresslösend?

Thomas Frankenbach: Besonders wirkungsvoll ist für viele Menschen Ausdauersport, also monotones Tun. Wiederholende Bewegungsmuster helfen gut, um psychisch ins Gleichgewicht zu kommen. Die Wirkung der Monotonie in der Bewegung ist aus vielen Kulturen bekannt. Denken Sie nur ans Rosenkranzbeten, an Gebetsmühlen, ans Mantra-Singen oder auch ans Pilgern.

Löst zuviel Sport nicht auch schon wieder Stress aus?

Thomas Frankenbach: Wer regelmäßig Sport treibt, setzt sich auch sinnbildlich in Bewegung. Wie immer kommt es natürlich auch hier auf die passende Dosierung an. Die ist individuell verschieden. Manche übertreiben, richten manchmal sogar ihr komplettes Leben nach dem Sport aus. Dann ersetzt der Körperkult wirklich zum Teil die Religion. Das drückt sich ja auch in der Sprache aus, in der von Fitness-Tempeln, vom Ernährungs-Guru oder dem Lauf- Papst die Rede ist.

Über die Sportart ziehen Sie Rückschlüsse auf die Persönlichkeit?

Thomas Frankenbach: Unser Wesen und unsere unbewussten Sehnsüchte drücken sich auch in unserer sportlichen Betätigung aus. Freud meinte, dass wir - wenn es gut läuft - Triebwünsche in gesellschaftlich anerkannte Formen umlenken. Um ein sehr plastisches Beispiel zu nennen: Wer gerne schneidet, sollte besser Chirurg als ein Jack The Ripper werden. Freud-Schüler Carl Gustav Jung hat das Schattenmodell entwickelt, nach dem wir Teile unserer Persönlichkeit verdrängen und einfach nicht wahrhaben wollen. Und dieses Modell können wir auch auf den Sport übertragen und uns fragen: Was sagt mein Lieblingssport über mich aus?

Können Sie bitte einige praktische Beispiele nennen?

Thomas Frankenbach: Wer Ausdauersportarten wie Laufen oder Radfahren ausübt, begeht ein Arbeitsritual, ist oft zäh, ausdauernd, belastbar und beständig, läuft unter Umständen auch im Hamsterrad, weil er symbolisch womöglich auch im Leben immer die gleichen Runden dreht. Ausdauersportler können sich fragen, wie sie bei so viel Arbeitsritus in der Freizeit zu Genuss stehen, ob sie dazu neigen, sich selbst zu quälen und falls ja, warum? Gewissermaßen polar dazu stehen die Ekstase- und Funsportler wie Surfer, Snowboarder oder Paraglider: Sie nutzen die Elemente, nehmen die Welle, lassen sich treiben. Leichtigkeit, Lässigkeit, ein fließendes Lebensgefühl sind charakteristisch für sie. Die Kehrseite: Wie steht es um den Eigenantrieb? Eine andere Frage ist, warum jemand Mannschaftssportarten liebt: Bringt er sich gut ins Team ein oder heißt Team für ihn eher Toll, ein anderer macht’s für mich? Auch Fitness- und Kraftsport können unbewusst eine Botschaft, einen Schatten vermitteln: Auf der einen Seite bedeutet es Arbeit an der eigenen Stärke, und es zeigt die Bereitschaft, Widerstände zu überwinden und Erschwernisse in Kauf zu nehmen. Andererseits will hier aber vielleicht auch jemand mehr im Mittelpunkt stehen, oder er gebraucht seine Muskeln sinnbildlich als Schutzpanzer.

Wozu ist es gut, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen?

Thomas Frankenbach: Selbsterkenntnis bereichert das Leben. Welche Rolle nehme ich ein? Bin ich Einzelkämpfer oder Teamplayer? Bin ich harter Arbeiter oder eher ein Ekstasetyp? Leite ich ein Spiel oder ordne ich mich tendenziell eher ein? Wie kann ich die Rollen, die ich in meinem Leben einnehme, zu meinem Vorteil ausschöpfen? Carl Gustav Jung hat es auf den Punkt gebracht: Wenn wir uns unserer Schatten bewusst werden und sie annehmen können, wird das Leben leichter. Auf dieser Ebene ist Sport ein Heilmittel.

Das Interview führte Daniel Dietl





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